Donnerstag, 18. Juni 2020

Übung 9: kurzer biografischer Text

Eka kommt aus den Südtiroler Bergen, sie ist Ethnologin, Filmemacherin und sprüht vor Ideen. Eine Zeit lang hat sie versucht, zu promovieren, sie hat an Büchern und Publikationen mitgearbeitet und ihren Prof bei dessen Forschung unterstützt. Eigentlich sollte sie längst ihren Doktortitel im Fach der visuellen Ethnologie haben aber dieses Projekt hat sie auf Eis gelegt, die Kisten mit Büchern und Recherchematerial auf den Dachboden geschleppt. Zu viele Hürden kamen auf oder war es eigentlich nur das eine Hindernis, dass sie in ihrer Arbeit im Konflikt zur Forschung ihres Profs stand? Eka musste stets gegen die Autorität ihres Professors anschreiben. Ihre Kritik an ihrem Prof, seinen Ethnologie Kollegen und ihrer Arbeitspraxis wäre offen formuliert zu hart gewesen. Seither versucht Eka, andere Wege zu gehen, sich umzuorientieren und auch ohne den Titel irgendwelche Jobs zu bekommen. Momentan ist sie wieder an der Uni und betreibt Forschungen, deren Ergebnisse dann unter den Namen ihrer Vorgesetzten publiziert werden.

Zwischenschritt zur:
Die Annahme ist, dass die Wissenschaft frei ist und dass Wissenschaftler*innen ihren Interessen nachgehen können.
Der Widerspruch ist, dass ein*e Wissenschaftler*in innerhalb der Institution Universität immer nur abhängig von dem Zuspruch derjenigen arbeiten kann, die jeweils Autorität über das jeweilige Fach besitzen. Das sind Vorgesetzte, Doktor*innenbetreuer*innen, Institutsleitungen.

Forscher*innen sind abhängig vom Zuspruch ihrer Betreuer*innen. Das zeigt sich an Ekas Erlebnissen, die als junge Studentin der visuellen Ethnologie Filme mit und über die Eipo und den Steinbeilklingentausch in Papua drehte und mit ihrer Expertise für Kulturpraxis und Artefakte der Eipo eine Kariere in Museum hätte machen können. Nachdem sie aber durch die Arbeit für ihre Doktorarbeit über die Beziehungen von europäischen Forschern und Missionaren zu Menschen in Papua eine immer stärker werdende Kritik an der imperialistischen und rassistischen Haltung vieler weißer Forscher*innen übte, wurde sie vom Kreis der Wissenschaftler*innen und aus der Forschung ausgeschlossen, was sie schließlich dazu zwang, ihre Doktorarbeit unvollendet zu lassen.

Fragen dazu:
Der erste Text ist länger. Es kommen Informationen darin vor, die von Wünschen handeln und Formulierungen, die als Schmuck dienen. Der zweite Text ist spannender. Oder?

Übung 10: deduktive Version:
Eka kommt aus Südtirol und hat in München visuelle Ethnologie studiert. Als Studentin drehte sie einen Film über den Steineilklingentausch. Das ist eine Methode, mit der alle möglichen Arten von Beziehungen gepflegt werden können. Bei weiteren Forschungsaufenthalten in Papua und bei der Zusammenarbeit mit dem Betreuer ihrer Doktorarbeit, begann Eka, diesen und andere westliche Wissenschaftler zu kritisieren. Die anderen Wissenschaftler und allen voran ihr Professor, wollten daraufhin Ekas Forschung nicht mehr unterstützen. Daher orientierte sie sich um. Sie ging zurück nach Südtirol und wurde dort wissenschaftliche Mitarbeiterin in einem anderen Forschungsbereich. Das Beispiel Eka zeigt also, dass Wissenschaftler*innen abhängig von ihren Vorgesetzten und den Institutionen sind, mit denen sie affiliiert sind.

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