Mittwoch, 8. Juli 2020

Übung 36 Proposal for dance video


Einreichung für die Ausschreibung zu einer Videoarbeit im ethnografischen Museum XY, die eine Verbindung zwischen zeitgenössischem und klassischem Tanz in Südostasien verdeutlichen soll.
Gesucht wird künstlerische Leitung, die Konzept erarbeiten soll. Produktionsfirma wird zur Seite gestellt.


Aus dem leeren Raum – indonesischer Tanz im hier und jetzt

Es handelt sich um eine Mehrkanalvideoinstallation für die dreiteilige Projektionsfläche im Südostasienraum des Musums XY. Das Video wird indonesischen Tanz und darstellende Kunst aus Indonesien zeigen und führende Künstler_innen porträtieren. Die Grundidee basiert auf einem dunklen, leeren Raum, der von Künstler_innen durch eine Tanzperformance gefüllt wird. Ausgewählte indonesische Künstler_innen werden eingeladen, eine von ihnen extra für die Videoinstallation kreierte Tanzperformance abzuhalten. Das Video wird eigens für die Projektionsfläche im Museum XY geschnitten und diese bespielen.

Die Videoinstallation soll Begeisterung für indonesischen Tanz und seine Meister wecken, soll neugierig machen und unterhalten, soll gleichermaßen ein Ruhepunkt im Museum sein, wie auch ein Angebot an Museumsbesucher, innezuhalten, zu verweilen und sich mitreißen zu lassen von der Geschichte, die auf der Projektionsfläche erzählt wird. Gleichzeitig zielt die Videoinstallation darauf ab, das miteinander Einhergehen zweier Kulturen zu zeigen, nämlich einer zeitgenössischen globalen und einer zeitgenössischen lokalen Kultur. Bei letzterer handelt es sich um die indonesische Kultur, die aus Einflüssen unterschiedlicher Traditionen gespeist wird. 
In der Videoinstallation geht es darum, anhand des Tanzstücks zu zeigen, dass Kultur einen fließenden und prozesshaften Charakter hat, dass im Tanz eine Entwicklung stattfindet und Indonesiens reiche Tanztradition zugleich veränderlich und zeitgemäß ist. Durch das Medium Tanz und die Performance der eingeladenen Künstler_innen soll unterdessen auf die Komplexität hingewiesen werden, mit der sich diese Kulturen verbinden.

Das Video dokumentiert den Tanz, kombiniert einzelne Elemente der Tanzperformances und vermittelt die gesamte Komposition visuell. Der Tanz ist eine Form des Ausdrucks, macht subjektive Eindrücke in einer globalisierten Welt und Einflüsse aus dieser erfahrbar. Dies geschieht aus einer nicht westlichen Perspektive von Künstle_innen, die in beiden Kulturen beheimatet sind, die außerdem durch ihre umfassende künstlerische Ausbildung tiefgehendes Kontextwissen zu den Objekten im Ausstellungsraum mitbringen. Die Mehrkanalvideoinstallation schafft somit eine Verbindung zwischen dem Wissen, das die Ausstellungsobjekte im Asienraum vermitteln mit der jetzigen Situation in einem Land, in welchem die Ausstellungsobjekte ihren Ursprung haben. 

Da sich das MuseumXY als ein Zentrum der Begegnung zwischen und mit Menschen und Kulturen begreift, könnte die von den jeweiligen Künstler_innen selbst interpretierte Themen wie Gender, Alter oder kulturelle Aneignung angesprochen und verhandelt werden. Die Videoinstallation gibt den Tänzer_innen eine Bühne, ist gleichermaßen Plattform des Austauschs als auch ein Fenster in eine andere Region der Welt. Die Künstler_innen repräsentieren ein zeitgenössisches Leben und zeigen zeitgenössische Kunstproduktion.


Das Output des Videoprojekts ist ein mehrkanaliges Video. Die großformatige, dreiteilige Projektionsfläche im Museum XY ermöglicht es, das Video spielerisch umzusetzen. Die Möglichkeiten der unterschiedlichen Aufteilung und des parallelen Projizierens mehrerer Kanäle unterstützen das von den Künstler_innen gegebene Thema. Der Haupterzählstrang des Tanzstücks kann durch Nebenerzählungen ergänzt werden, die zwar teilweise zeitgleich ablaufen, jedoch von der Flächenaufteilung eine untergeordnete Stellung einnehmen können. Beispielsweise ist unter anderem eine 1/3 zu 2/3 Aufteilung möglich oder eine Handlung in der Mitte, die durch zwei Detailszenen eingerahmt wird. Es könnte ein bestimmter Bereich der Projektionsfläche dafür genutzt werden, den Haupterzählstrang zu verfolgen, beispielsweise die Mitte. Es wäre aber auch denkbar, die Haupterzählung durch wechselnde Bereiche zu vermitteln. Dann wäre es möglich, periodisch auftauchende Nebenerzählungen in Form von Detailaufnahmen variabel einzusetzen.

Bei der Arbeit mit mehreren Künstlern würden deren Performances nach einem identischen Zeit- und Musikschema konzipiert und somit miteinander kompatibel entwickelt. Die Stücke würden als Kapitel einer Erzählung aufgefasst und so ineinander verschränkt geschnitten, dass sich eine einheitliche, in einander übergehende Bild- und Tonfolge ergibt.

Beispielhafter Ablauf einer Videosequenz könnte sein: Aus dem dunklen Nichts taucht auf der rechten Seite der Projektion eine in helles Licht gehüllte Figur auf und beginnt zu tanzen. Musikalisch werden die Bewegungen von rhythmischen Pattern begleitet und der Musiker ist links zu sehen. Die Musik hält sich zurück und unterstützt die im Vordergrund stehenden Bewegungen eines Tänzer_innenkörpers, dessen Details wie beispielsweise die Füße im Feld in der Mitte gezeigt werden. Mal wird eine Hand, werden die Füße, eine Nahansicht des Oberkörpers gezeigt, mal die ganze Szene. Immer wieder wechselt die Aufteilung der Projektionsfläche. Mal ist nur die Tänzer_in zu sehen, dann wieder taucht auf einem Kanal die Musiker_in auf. Von Zeit zu Zeit kommt Ruhe in das Video mit Sequenzen, die für sich allein stehen.


Die Arbeit der eingeladenen indonesischen Künstler_innen liegt im Zentrum der Videoarbeit. Die Videoarbeit dokumentiert deren Tanzkompositionen, was enge Absprachen mit den Künstler_innen erfordert. Es gibt eine vorgegebene Zeitstruktur, die es ermöglicht unterschiedliche Choreografien zusammenzufügen. Der Schnitt wiederum wird einfach gehalten, da die Bewegung als Sprache zu begreifen ist und das Video zeigt, was die Tänzer_innen erzählen. Die Künstler_innen kennen den Kontext für den sie arbeiten, in dem ihre Arbeit gezeigt und rezipiert wird. Sie sind mit dem Museum XY als Gebäude und als Konzept vertraut und kennen sowohl technische Skizzen des Raumes und der Projektionsfläche als auch eine Liste der ausgestellten Objekte mit Beschreibungen. Die Tanzstücke werden für das Publikum im Museum XY geschrieben und produziert.

Es werden unter Vorbehalt deren Verfügbarkeit Künstler_innen eingeladen, die ihrer Kunstdisziplin professionell arbeiten, die traditionelle Regeln beherrschen, daraus erwachsen und dennoch wandelbar sind und neue Elemente ausprobieren. Sowohl männliche als auch weibliche Künstler_innen sind im Kulturbetrieb in Indonesien gestalterisch tätig, daher wird auch diese Videoinstallation, um ein breites Bild des indonesischen Tanzes zu zeigen, die Arbeit weiblicher und männlicher Künstler_innen miteinschließen. Als Hauptkünstler ist der Tänzer und Choreograf XYZ vorgesehen. Seine Tanzkomposition steht im Zentrum der Videoarbeit und wird gegebenenfalls durch die Arbeit weiterer Künstler_innen ergänzt. Je nach Bedürfnissen des zu tanzenden Stücks und in Absprache mit dem Haupttänzer werden weitere Tänzer_innen oder Musiker_innen dazugeholt.

XYZ kommt ursprünglich aus Kaliori bei Banyumas. Er ist in klassischem javanischem und ostjavanischem Volkstanz ausgebildet und hat sich auf die cross-gender Form des Lengger spezialisiert. Er hat mit internationalen Choreografen gearbeitet und ist sowohl als Tänzer als auch selbst als Choreograf und Tanzlehrer tätig. XYZ arbeitet mit seinem Hintergrund der klassischen Tanzausbildung. Die Soloperformance SOUNDSO: XYZ aus der Tanzreihe des Choreografen JEMAND verhandelt ein Feld unterschiedlicher Pole zeitgenössischen choreografischem Arbeitens und spielt mit Labels wie männlich, weiblich, urban oder ländlich. In der Soloperformance Midi (2017) thematisiert und fordert XYZ Freiheit. Ausgehend von den Anfängen seiner Tänzerausbildung im Lengger kombiniert er diese mit seiner meisterhaften Bewegungssprache. 

Eine Zusammenarbeit mit ABC, die mit ihrer Arbeit den Tanz gut unterstützend umrahmen kann, würde sich anbieten. Im informellen Gespräch hat sie ihr Interesse an einer Zusammenarbeit signalisiert, wobei auch hier Namen nicht endgültig stehen. Die Sängerin und Tänzerin ABC kommt aus Banyumas und hat in dort am SMKI und in Surakarta am STSI (ISI) studiert. Sowohl im Tanz als auch musikalisch hat sie eine traditionelle Ausbildung (Lengger und Sintren), geht aber längst zeitgenössische Wege. Da die Musikerin und Tänzerin oft in Ensembles auftritt und in community basierten Projekten mitarbeitet, ist sie als Solokünstlerin noch unbekannt. Sie hat in Filmproduktionen wie bei TITEL A (2016) von G. N. mitgearbeitet; war bei Theater – und Bühnenproduktionen von S. G. und bei Performances der Performancekünstlerin M. S. involviert. Sie performt gemeinsam mit XYZ sein Tanzstück Medium.


Es werden spezifische Bilder geschaffen, die als Puzzlestücke zum Verständnis darstellender Kunst in Indonesien dienen und ihre Wandelbarkeit demonstrieren. Diese Wandelbarkeit, zusammen mit dem Bauen auf traditionellen Grund ist kennzeichnend für indonesische Gesellschaften und deren kulturellen Ausdruck: das Beherrschen und exakte Erlernen einer Kunstform, und darauf aufbauend die Integration, das Ausprobieren neuer Elemente.

Mit ihren vielseitigen Kompetenzen sind die erwähnten Künstler_innen ausgezeichnet für die Performance aus dem leeren Raum geeignet. Surakarta in Zentraljava, wo beide studiert haben ist eines der wichtigen Zentren darstellender Kunst in Indonesien. Banyumas, die Region in Zentraljava, aus der sowohl ABC als auch XYZ kommen ist, was traditionelle, darstellende Kunst in Java anbelangt, besonders in Indonesien für ihre Vielfalt an kulturellen Ausdrucksformen bekannt. 


Projektablauf 

Schritt 1 
Künstler_innen erhalten Material über das Museum XY, eine Projektskizze und den Arbeitsauftrag, eine Performance in Tanz und Musik zu entwickeln. 
(November – Dezember 2019).

Schritt 2
Anhand von Videomittschnitten, die uns die Künstler_innen schicken, entwickeln wir unter gegenseitiger Rücksprache das Drehbuch und bereiten den Dreh vor. 
(Dezember 2019-Februar 2020).

Schritt 3 
Der Dreh findet je nach Verfügbarkeit in Deutschland statt. 
(Mai 2020).

Schritt 4
Postproduktion findet in Deutschland statt. (Juni 2020). Die Installation im Museum ist für August 2020 geplant.


Über uns:
Q. U. und Camilla arbeiten zusammen indem sie künstlerisches und wissenschaftliches Wissen kombinieren. Ihre Kenntnis der indonesischen Kultur und Sprache, die in ihrem individuellen Arbeiten und auch in ihrem persönlichen Leben eine große Rolle spielen, bringen dem Projekt einen großen Vorteil. Ihre Zusammenarbeit lebt von der Kombination ihrer unterschiedlichen Sicht auf indonesische Kultur, welche zur Stärke für das Video-Projekt wird.

Q. U. ist ein indonesischer Künstler, der hauptsächlich mit Videoinstallation, Fotografie und Performance arbeitet. Prägend für seine Arbeit sind seit mehreren Jahren Prozesse der Identitätskonstruktion, die er untersucht und auseinandernimmt. 2006 beendete er seinen
Bachelor of Arts in Kommunikationswissenschaft mit dem Schwerpunkt Journalismus an der some name niversität, some Place, Indonesien. Im selben Jahr gründete er den Künstlerinitiativraum B Kultur 21 in Bandung, Indonesien. 2013 erhielt er sein Diplom und 2014 seinen Meisterschüler im Bereich Bildende Kunst an der Hochschule für Bildende
Künste Halle. Seit Oktober 2018 ist er als PhD Kandidat in Kunst an der Universität der Künste Ortsname Wien tätig. 2011 erhielt er eine Ehrenauszeichnung Soundso und 2017 erhielt er einen Ehrenpreis der Sparkasse Hamburg, “Artist Discover Europe”. Seine Arbeiten wurden unter anderem gezeigt in: Some places

Camilla ist eine junge Kuratorin aus Berlin. Eine erste Reise nach Indonesien im Jahre 2004 erweckte tiefes Interesse für indonesische Kulturen. Dies hat sie unter anderem zu Watch Indonesia e.V.! für Menschenrechte, Demokratie und Umwelt geführt, wo sie zwischen 2012 und 2019 im Vorstand war. Zwischen 2010 und 2015 studierte sie an der
Humboldt Universität zu Berlin Regionalstudien Asien/Afrika und Gender Studies, momentan  absolviert sie einen Masterstudiengang in Kunstgeschichte an der Freien Universität Berlin. Darüber hinaus arbeitet sie seit 2010 im Schattenpuppentheater Projekt des
Indonesisch-Berliner Künstlers H. B. A. mit. In zahlreichen Reisen nach Indonesien hat sie ein breites Netz an Kontakten im Kunstbereich aufgebaut und ist mit genannten Künstler_nnen persönlich bekannt. Sie beschäftigt sich mit Konzepten von Körper und Weiblichkeit in der Arbeit indonesischer Künstler_nnen. Zu diesem Thema hat sie ihre
Abschlussarbeit Frauen Körper Kunst — indonesische Künstler_innen im postreformasi Indonesien geschrieben. Zeitgenössische Kunstproduktion in Indonesien gehört
zu ihren Hauptinteressen. Dabei schaut sie besonders auf Teilhabe von Künstlerinnen am Kunstbetrieb und darauf, inwiefern feministische Ansätze eine Rolle spielen. Momentan arbeitet sie an einem Ausstellungskonzept über postkoloniale Interventionen in indonesischer Kunst.

Finanzen:

Blabla 100.000 Euro für mich bitte und je 100.000 für die Künstler_innen.

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