Einreichung
für die Ausschreibung zu einer Videoarbeit im ethnografischen Museum XY, die eine
Verbindung zwischen zeitgenössischem und klassischem Tanz in Südostasien
verdeutlichen soll.
Gesucht wird
künstlerische Leitung, die Konzept erarbeiten soll. Produktionsfirma wird zur
Seite gestellt.
Aus dem leeren
Raum – indonesischer Tanz im hier und jetzt
Es handelt
sich um eine Mehrkanalvideoinstallation für die dreiteilige Projektionsfläche
im Südostasienraum des Musums XY. Das Video wird indonesischen Tanz und
darstellende Kunst aus Indonesien zeigen und führende Künstler_innen
porträtieren. Die Grundidee basiert auf einem dunklen, leeren Raum, der von
Künstler_innen durch eine Tanzperformance gefüllt wird. Ausgewählte
indonesische Künstler_innen werden eingeladen, eine von ihnen extra für die
Videoinstallation kreierte Tanzperformance abzuhalten. Das Video wird eigens
für die Projektionsfläche im Museum XY geschnitten und diese bespielen.
Die
Videoinstallation soll Begeisterung für indonesischen Tanz und seine Meister
wecken, soll neugierig machen und unterhalten, soll gleichermaßen ein Ruhepunkt
im Museum sein, wie auch ein Angebot an Museumsbesucher, innezuhalten, zu
verweilen und sich mitreißen zu lassen von der Geschichte, die auf der
Projektionsfläche erzählt wird. Gleichzeitig zielt die Videoinstallation darauf
ab, das miteinander Einhergehen zweier Kulturen zu zeigen, nämlich einer
zeitgenössischen globalen und einer zeitgenössischen lokalen Kultur. Bei
letzterer handelt es sich um die indonesische Kultur, die aus Einflüssen
unterschiedlicher Traditionen gespeist wird.
In der
Videoinstallation geht es darum, anhand des Tanzstücks zu zeigen, dass Kultur
einen fließenden und prozesshaften Charakter hat, dass im Tanz eine Entwicklung
stattfindet und Indonesiens reiche Tanztradition zugleich veränderlich und
zeitgemäß ist. Durch das Medium Tanz und die Performance der eingeladenen
Künstler_innen soll unterdessen auf die Komplexität hingewiesen werden, mit der
sich diese Kulturen verbinden.
Das Video
dokumentiert den Tanz, kombiniert einzelne Elemente der Tanzperformances und
vermittelt die gesamte Komposition visuell. Der Tanz ist eine Form des
Ausdrucks, macht subjektive Eindrücke in einer globalisierten Welt und
Einflüsse aus dieser erfahrbar. Dies geschieht aus einer nicht westlichen
Perspektive von Künstle_innen, die in beiden Kulturen beheimatet sind, die
außerdem durch ihre umfassende künstlerische Ausbildung tiefgehendes
Kontextwissen zu den Objekten im Ausstellungsraum mitbringen. Die
Mehrkanalvideoinstallation schafft somit eine Verbindung zwischen dem Wissen,
das die Ausstellungsobjekte im Asienraum vermitteln mit der jetzigen Situation
in einem Land, in welchem die Ausstellungsobjekte ihren Ursprung haben.
Da sich das MuseumXY
als ein Zentrum der Begegnung zwischen und mit Menschen und Kulturen begreift, könnte
die von den jeweiligen Künstler_innen selbst interpretierte Themen wie Gender,
Alter oder kulturelle Aneignung angesprochen und verhandelt werden. Die
Videoinstallation gibt den Tänzer_innen eine Bühne, ist gleichermaßen Plattform
des Austauschs als auch ein Fenster in eine andere Region der Welt. Die
Künstler_innen repräsentieren ein zeitgenössisches Leben und zeigen
zeitgenössische Kunstproduktion.
Das Output
des Videoprojekts ist ein mehrkanaliges Video. Die großformatige, dreiteilige
Projektionsfläche im Museum XY ermöglicht es, das Video spielerisch umzusetzen.
Die Möglichkeiten der unterschiedlichen Aufteilung und des parallelen
Projizierens mehrerer Kanäle unterstützen das von den Künstler_innen gegebene
Thema. Der Haupterzählstrang des Tanzstücks kann durch Nebenerzählungen ergänzt
werden, die zwar teilweise zeitgleich ablaufen, jedoch von der
Flächenaufteilung eine untergeordnete Stellung einnehmen können. Beispielsweise
ist unter anderem eine 1/3 zu 2/3 Aufteilung möglich oder eine Handlung in der
Mitte, die durch zwei Detailszenen eingerahmt wird. Es könnte ein bestimmter
Bereich der Projektionsfläche dafür genutzt werden, den Haupterzählstrang zu
verfolgen, beispielsweise die Mitte. Es wäre aber auch denkbar, die
Haupterzählung durch wechselnde Bereiche zu vermitteln. Dann wäre es möglich,
periodisch auftauchende Nebenerzählungen in Form von Detailaufnahmen variabel
einzusetzen.
Bei der
Arbeit mit mehreren Künstlern würden deren Performances nach einem identischen
Zeit- und Musikschema konzipiert und somit miteinander kompatibel entwickelt.
Die Stücke würden als Kapitel einer Erzählung aufgefasst und so ineinander
verschränkt geschnitten, dass sich eine einheitliche, in einander übergehende
Bild- und Tonfolge ergibt.
Beispielhafter
Ablauf einer Videosequenz könnte sein: Aus dem dunklen Nichts taucht auf der
rechten Seite der Projektion eine in helles Licht gehüllte Figur auf und
beginnt zu tanzen. Musikalisch werden die Bewegungen von rhythmischen Pattern
begleitet und der Musiker ist links zu sehen. Die Musik hält sich zurück und
unterstützt die im Vordergrund stehenden Bewegungen eines Tänzer_innenkörpers,
dessen Details wie beispielsweise die Füße im Feld in der Mitte gezeigt werden.
Mal wird eine Hand, werden die Füße, eine Nahansicht des Oberkörpers gezeigt,
mal die ganze Szene. Immer wieder wechselt die Aufteilung der Projektionsfläche.
Mal ist nur die Tänzer_in zu sehen, dann wieder taucht auf einem Kanal die
Musiker_in auf. Von Zeit zu Zeit kommt Ruhe in das Video mit Sequenzen, die für
sich allein stehen.
Die Arbeit
der eingeladenen indonesischen Künstler_innen liegt im Zentrum der Videoarbeit.
Die Videoarbeit dokumentiert deren Tanzkompositionen, was enge Absprachen mit
den Künstler_innen erfordert. Es gibt eine vorgegebene Zeitstruktur, die es
ermöglicht unterschiedliche Choreografien zusammenzufügen. Der Schnitt wiederum
wird einfach gehalten, da die Bewegung als Sprache zu begreifen ist und das
Video zeigt, was die Tänzer_innen erzählen. Die Künstler_innen kennen den
Kontext für den sie arbeiten, in dem ihre Arbeit gezeigt und rezipiert wird.
Sie sind mit dem Museum XY als Gebäude und als Konzept vertraut und kennen
sowohl technische Skizzen des Raumes und der Projektionsfläche als auch eine
Liste der ausgestellten Objekte mit Beschreibungen. Die Tanzstücke werden für
das Publikum im Museum XY geschrieben und produziert.
Es werden
unter Vorbehalt deren Verfügbarkeit Künstler_innen eingeladen, die ihrer
Kunstdisziplin professionell arbeiten, die traditionelle Regeln beherrschen,
daraus erwachsen und dennoch wandelbar sind und neue Elemente ausprobieren.
Sowohl männliche als auch weibliche Künstler_innen sind im Kulturbetrieb in
Indonesien gestalterisch tätig, daher wird auch diese Videoinstallation, um ein
breites Bild des indonesischen Tanzes zu zeigen, die Arbeit weiblicher und
männlicher Künstler_innen miteinschließen. Als Hauptkünstler ist der Tänzer und
Choreograf XYZ vorgesehen. Seine Tanzkomposition steht im Zentrum der
Videoarbeit und wird gegebenenfalls durch die Arbeit weiterer Künstler_innen
ergänzt. Je nach Bedürfnissen des zu tanzenden Stücks und in Absprache mit dem
Haupttänzer werden weitere Tänzer_innen oder Musiker_innen dazugeholt.
XYZ kommt
ursprünglich aus Kaliori bei Banyumas. Er ist in klassischem javanischem und
ostjavanischem Volkstanz ausgebildet und hat sich auf die cross-gender Form des
Lengger spezialisiert. Er hat mit internationalen Choreografen gearbeitet und
ist sowohl als Tänzer als auch selbst als Choreograf und Tanzlehrer tätig. XYZ
arbeitet mit seinem Hintergrund der klassischen Tanzausbildung. Die
Soloperformance SOUNDSO: XYZ aus der Tanzreihe des Choreografen JEMAND
verhandelt ein Feld unterschiedlicher Pole zeitgenössischen choreografischem
Arbeitens und spielt mit Labels wie männlich, weiblich, urban oder ländlich. In
der Soloperformance Midi (2017) thematisiert und fordert XYZ Freiheit.
Ausgehend von den Anfängen seiner Tänzerausbildung im Lengger kombiniert er
diese mit seiner meisterhaften Bewegungssprache.
Eine
Zusammenarbeit mit ABC, die mit ihrer Arbeit den Tanz gut unterstützend
umrahmen kann, würde sich anbieten. Im informellen Gespräch hat sie ihr
Interesse an einer Zusammenarbeit signalisiert, wobei auch hier Namen nicht
endgültig stehen. Die Sängerin und Tänzerin ABC kommt aus Banyumas und hat in
dort am SMKI und in Surakarta am STSI (ISI) studiert. Sowohl im Tanz als auch
musikalisch hat sie eine traditionelle Ausbildung (Lengger und Sintren), geht
aber längst zeitgenössische Wege. Da die Musikerin und Tänzerin oft in
Ensembles auftritt und in community basierten Projekten mitarbeitet, ist sie
als Solokünstlerin noch unbekannt. Sie hat in Filmproduktionen wie bei TITEL A
(2016) von G. N. mitgearbeitet; war bei Theater – und Bühnenproduktionen von S.
G. und bei Performances der Performancekünstlerin M. S. involviert. Sie performt
gemeinsam mit XYZ sein Tanzstück Medium.
Es werden
spezifische Bilder geschaffen, die als Puzzlestücke zum Verständnis
darstellender Kunst in Indonesien dienen und ihre Wandelbarkeit demonstrieren.
Diese Wandelbarkeit, zusammen mit dem Bauen auf traditionellen Grund ist kennzeichnend
für indonesische Gesellschaften und deren kulturellen Ausdruck: das Beherrschen
und exakte Erlernen einer Kunstform, und darauf aufbauend die Integration, das
Ausprobieren neuer Elemente.
Mit ihren
vielseitigen Kompetenzen sind die erwähnten Künstler_innen ausgezeichnet für
die Performance aus dem leeren Raum geeignet. Surakarta in Zentraljava, wo
beide studiert haben ist eines der wichtigen Zentren darstellender Kunst in
Indonesien. Banyumas, die Region in Zentraljava, aus der sowohl ABC als auch XYZ
kommen ist, was traditionelle, darstellende Kunst in Java anbelangt, besonders
in Indonesien für ihre Vielfalt an kulturellen Ausdrucksformen bekannt.
Projektablauf
Schritt
1
Künstler_innen
erhalten Material über das Museum XY, eine Projektskizze und den
Arbeitsauftrag, eine Performance in Tanz und Musik zu entwickeln.
(November –
Dezember 2019).
Schritt 2
Anhand von
Videomittschnitten, die uns die Künstler_innen schicken, entwickeln wir unter
gegenseitiger Rücksprache das Drehbuch und bereiten den Dreh vor.
(Dezember
2019-Februar 2020).
Schritt 3
Der Dreh
findet je nach Verfügbarkeit in Deutschland statt.
(Mai 2020).
Schritt 4
Postproduktion
findet in Deutschland statt. (Juni 2020). Die Installation im Museum ist für August
2020 geplant.
Über uns:
Q. U. und
Camilla arbeiten zusammen indem sie künstlerisches und wissenschaftliches
Wissen kombinieren. Ihre Kenntnis der indonesischen Kultur und Sprache, die in
ihrem individuellen Arbeiten und auch in ihrem persönlichen Leben eine große
Rolle spielen, bringen dem Projekt einen großen Vorteil. Ihre Zusammenarbeit
lebt von der Kombination ihrer unterschiedlichen Sicht auf indonesische Kultur,
welche zur Stärke für das Video-Projekt wird.
Q. U. ist
ein indonesischer Künstler, der hauptsächlich mit Videoinstallation, Fotografie
und Performance arbeitet. Prägend für seine Arbeit sind seit mehreren Jahren
Prozesse der Identitätskonstruktion, die er untersucht und auseinandernimmt.
2006 beendete er seinen
Bachelor of
Arts in Kommunikationswissenschaft mit dem Schwerpunkt Journalismus an der some
name niversität, some Place, Indonesien. Im selben Jahr gründete er den Künstlerinitiativraum
B Kultur 21 in Bandung, Indonesien. 2013 erhielt er sein Diplom und 2014 seinen
Meisterschüler im Bereich Bildende Kunst an der Hochschule für Bildende
Künste Halle.
Seit Oktober 2018 ist er als PhD Kandidat in Kunst an der Universität der
Künste Ortsname Wien tätig. 2011 erhielt er eine Ehrenauszeichnung Soundso und
2017 erhielt er einen Ehrenpreis der Sparkasse Hamburg, “Artist Discover
Europe”. Seine Arbeiten wurden unter anderem gezeigt in: Some places
Camilla ist
eine junge Kuratorin aus Berlin. Eine erste Reise nach Indonesien im Jahre 2004
erweckte tiefes Interesse für indonesische Kulturen. Dies hat sie unter anderem
zu Watch Indonesia e.V.! für Menschenrechte, Demokratie und Umwelt geführt, wo
sie zwischen 2012 und 2019 im Vorstand war. Zwischen 2010 und 2015 studierte
sie an der
Humboldt
Universität zu Berlin Regionalstudien Asien/Afrika und Gender Studies, momentan
absolviert sie einen Masterstudiengang
in Kunstgeschichte an der Freien Universität Berlin. Darüber hinaus arbeitet sie
seit 2010 im Schattenpuppentheater Projekt des
Indonesisch-Berliner
Künstlers H. B. A. mit. In zahlreichen Reisen nach Indonesien hat sie ein breites
Netz an Kontakten im Kunstbereich aufgebaut und ist mit genannten Künstler_nnen
persönlich bekannt. Sie beschäftigt sich mit Konzepten von Körper und
Weiblichkeit in der Arbeit indonesischer Künstler_nnen. Zu diesem Thema hat sie
ihre
Abschlussarbeit
Frauen Körper Kunst — indonesische Künstler_innen im postreformasi Indonesien geschrieben.
Zeitgenössische Kunstproduktion in Indonesien gehört
zu ihren
Hauptinteressen. Dabei schaut sie besonders auf Teilhabe von Künstlerinnen am
Kunstbetrieb und darauf, inwiefern feministische Ansätze eine Rolle spielen.
Momentan arbeitet sie an einem Ausstellungskonzept über postkoloniale
Interventionen in indonesischer Kunst.
Finanzen:
Blabla 100.000
Euro für mich bitte und je 100.000 für die Künstler_innen.
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