Tag 1
Warum schriebe ich? Warum schreibe ich nicht? Warum schreibe ich nicht
öfter in mein Tagebuch oder warum schreibe ich dann meist nicht viel
mehr als das Datum und dass so viel Bedeutsames geschieht aber nicht
was, sondern nur, dass Amélie gerade Mittagsschlaf macht? In meinem Kopf
sind Gedanken, die raus möchten, zumindest raus aus meinem Kopf in das
Büchlein, das irgendwo in einer der Schubladen liegt. Denn da liest es
niemand anderes als ich, wenn überhaupt, in ein paar Monaten. Ich kann
mich darin ausprobieren, kann verschwurbelte Sätze anfangen, die ich
nicht zu Ende bringe, kann spielen.
Woanders schreibe ich eigentlich nicht. Außer ich muss, dann schreibe
ich etwas auf aber ohne Leidenschaft und Fantasie mit Unbehagen.
Sehr ungern. Aus Unsicherheit. Aus Angst vor meinen Fehlern, aus Scham, dass sie von jemandem entdeckt werden.
Jetzt habe ich aufgehört zu schreiben. Vielleicht geht es morgen wieder.
Tag 2 (Wochen danach)
Eine Kommilitonin hat an dieser Stelle geschrieben, sie sei etwas
peinlich berührt gewesen, ihre eigenen Worte über das Schreiben zu
lesen. Dieses Gefühl kann ich sehr gut nachvollziehen. Pathetisch,
übertrieben, nicht mehr ganz so wahr lesen sich meine Zeilen oben. Und
doch auch nicht ganz falsch. Ich renne der Zeit gerade hinterher. Die
ganze Situation, die Aufgaben und Pflichten, mit denen ich nicht zurande
komme, die geschlossene Kita, das Einteilen der Tage in „heute mach
ich, morgen bist du aber den ganzen Tag dran“ (mit dem Kind zu sein),
das alles ist sehr kräftezehrend. Nicht nur das, vor allem ist es
schwierig die gute Laune zu behalten, diese fröhliche Leichtigkeit, mit
der alles leichter zu ertragen ist. Es hört sich so an, als sei es eine
Drohung, mit dem Kind Zeit verbringen zu müssen. Es sollte heißen zu
„dürfen“, nur das tun, was Spaß macht, wie Prinzessin Pfiffigunde,
gemütlich faulenzen und kochen wie Tiger und Bär.
Der Text handelt jetzt nicht mehr vom Schreiben an sich aber davon,
was sich in meinem Kopf abspielt. In meinem Kopf da tanzen die Gedanken,
da verwirren sich Ideen wie Fäden in einem Wollknäuel— und die müssen
nun erst einmal sortiert werden. Daher freue ich mich auf diese
Schreibarbeit, die Arbeit an den eigenen Texten und an denen anderer.
Ich werde versuchen, da zu sein.
Und noch einen Tag später:
diese Texte sind Privat.
Ich schreibe mich hier frei
von Angst.
Frei
und offen
für das was kommt.
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